Technologische Innovationen und weltweite Verbindungen haben die Lebens- und Arbeitswelt in den vergangenen Jahren gravierend verändert. Die Beschleunigung der Kommunikationsmittel und die Minimierung der dafür notwendigen Hardware machen Informationen jederzeit und überall verfügbar. Arbeit, so scheint es, ist in der Gegenwart – und mehr noch in der Zukunft – nicht mehr an feste Orte gebunden.
Allerdings mag man bezweifeln, dass der Arbeitsplatz Büro damit an Bedeutung verliert – die Vision nur durch virtuelle Kommunikationsnetzwerke miteinander verbundener, global verstreuter Arbeitsnomaden entspricht kaum menschlichen Bedürfnissen.
So wird das Büro als Ort der Arbeit nicht verschwinden, sondern den veränderten Anforderungen Rechnung tragen müssen. Spiegel des gesellschaftlichen Verständnisses von Arbeit sind Büros seit langem. An die Stelle der entlang endloser Korridore gereihten Zellenbüros für ein oder zwei Beschäftigte trat in den Siebziger Jahren das Großraumbüro. Allerdings stellte sich die offene und kommunikative Atmosphäre, welche die Bürolandschaft bestimmen sollte, in der Realität vielfach als beengtes Aufeinanderhocken dar. Auch wenn das Großraumbüro vom unternehmerischen Standpunkt aus zunächst als platzsparende und somit kostengünstige Alternative zum Zellenbüro mit seinen langen Erschließungswegen galt: Die permanente gegenseitige Störung der Angestellten bedingte Motivationsdefizite und reduzierte die Produktivität.
Daher avancierte in den Neunziger Jahren das Kombibüro zum neuen Leitbild, das die Individualität des Zellenbüros mit der Offenheit des Großraumbüros vereinte. Ein- oder Zweipersonenräume, vielfach verglast und somit von der traditionellen Hermetik befreit, gewähren die nötige Individualität, während in der Raummitte Infrastruktur- und Kommunikationszonen die Gelegenheit für informelle Kontakte bieten.
Standardisierung und Vernetzung der Arbeitsplätze sowie der Trend zum “papierlosen Büro” eröffneten die Möglichkeit, das Kombibüro nach dem Time-Sharing-Prinzip zu nutzen und damit die Gebäudekosten zu senken; an die Stelle fester Arbeitsplätze tritt eine tage- oder stundenweise Vergabe. Bei Arbeitsbeginn im nicht-territorial organisierten Büro greifen sich die Angestellten den Trolley mit persönlichen Utensilien und stöpseln den Laptop an einer beliebigen (oder zugewiesenen) Stelle ein. Von diesem Konzept aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Home Office, dem Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung, der lediglich via Modem, Fax oder DSL mit der Firma vernetzt ist. Denn gearbeitet werden kann inzwischen überall: ob im Flugzeug oder in der Bahn, im Büro oder im eigenen Schlafzimmer.
Allerdings kranken alle derartigen Vorstellungen daran, dass sie letztlich allein das technisch Machbare und das ökonomisch Profitable ins Kalkül ziehen. Indem jeweils ein Konzept zum Dogma erhoben wird, bleibt die Individualität der Beschäftigten unberücksichtigt. Denn das Interesse an non-territorialer Arbeit sowie an Heimarbeitsplätzen ist nicht nur branchenspezifisch unterschiedlich stark ausgeprägt und generationsabhängig; auch in Firmen mit einer vergleichsweise homogenen Beschäftigtenstruktur legen manche Mitarbeiter Wert auf einen festen Arbeitsplatz, während andere ein nomadisches Pendeln zwischen verschiedenen Orten bevorzugen.
Das Büro von heute sollte auf derart unterschiedliche Anforderungen reagieren. Wer seinen Mitarbeitern Flexibilität abverlangt, wird Flexibilität bieten müssen. Dies um so mehr, da in vielen Branchen die Arbeitszeit nicht ab-, sondern zunimmt. Leben und Arbeiten sind in manchen Branchen keine strikt zu trennenden Bereiche mehr, die Grenzen verschwimmen. Privatheit und Öffentlichkeit können in der 24/7-Welt nicht mehr als gegensätzliche Pole verstanden werden.
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